Monatsrückblick Januar

Ich kann Bäume ausreißen – aber der Sturm noch viel mehr

Eines Tages beim Misten fand ich einen reichlich schrägen, kleinen Baum vor. Es war absehbar, dass er in Kürze fallen würde. Nur – in welche Richtung? Und wann genau? Und wer oder was ist genau dann unter dem Baum? Ich hatte klare Präferenzen: Nichts und niemand unter dem Baum, kein Heuschuppen, kein Pony und ich auch nicht. In Ermanglung einer Motorsäge überlegte ich wie ich den Baum dazu überreden könnte, sich doch einfach auf den Boden zu legen. Es ist mir gelungen! Und hier seht Ihr meinen ersten selbst ausgerissenen Baum:

Ich kann Bäume ausreißen – nicht nur wo keine sind.

Pünktlich zum Neuen Jahr ist das Winterwunderland verschwunden. Der schöne Pulverschnee einfach weggetaut. Da der tiefe Boden nicht mit aufgetaut ist, konnte das Tauwasser nicht wirklich weg. Und das gibt Matsch. Nach anschließenden Kahlfrösten kam aber doch noch etwas Puderzucker zurück. Die krassen Wechsel von kalt zu warm führten zu heftigen Stürmen. In einer Nacht hat es mir vier Bäume abgerissen, zwei Kiefern und zwei Birken. Unsere Fichten in Deutschland sind Flachwurzler. Bei Sturm fallen sie mitsamt dem Wurzelteller einfach um. Kiefern haben eine Pfahlwurzel, die gibt nicht nach. Aber wenn der Sturm zu heftig wird, bricht irgendwann einfach der Stamm. Ich hatte sehr viel Glück: Die Bäume sind alle durchgefallen bis auf den Boden, liegen neben dem Heuschuppen und bis zu 10 cm vor dem Zaun. Somit nichts kaputt und noch wichtiger auch kein Pony verletzt.

Durch das wechselnde Wetter durfte ich täglich neu überlegen, wie und wo ich die Ponys füttere: Bei zu viel Frost sind die Heunetze so gefroren, dass kein Heu mehr rauszubekommen war. Also habe ich loses Heu am Boden gefüttert. Bei zu viel Sturm fliegt das lose Heu schneller weg als die Ponies fressen können, wieder im Netz füttern. Und wenn der Schnee gerade wieder getaut ist, steht das Wasser am Boden und die Ponies wünschen trockenes, sauberes Heu im hängenden Netz. Hier besteht noch Optimierungspotential für den nächsten Winter.

Zwei Tage Online-Kurs zum Ponytraining auf Schwedisch

Einige schwedische Trainer, die ihre Pferde mit positiver Verstärkung trainieren und teils auch international unterrichten, haben einen Verein zum „Belohnungsbasierten Pferdetraining in Schweden“ gegründet. Und dieser Verein hat im Januar 2022 mit tollen Referenten zwei Tage via zoom die „BHIS-dagarna“ ausgerichtet. So durfte ich dann ganz spontan mal Verhaltensanalyse, das kognitive Vermögen von Pferden oder auch Kognitionsethologie auf schwedisch anhören. Je nachdem wie gut die begleitenden Folien war, wie ich daraus erkennen konnte um was es geht, konnte ich besser oder schlechter Folgen. Spannend war es auf jeden Fall. Das was ich thematisch schon kannte, war ein toller Sprachkurs. Und das Wort für kurze Pause ist einfach toll: bensträckare – Beinestrecker.

„Mach, dass das gewünschte Verhalten einfach zu machen ist.“ Carolina Fransson (Übersetzung Carolina Winkelbach)

Winterwetterimpressionen

Was sonst noch so passiert ist:

  • Privater Schwedischunterricht: Eine sehr nette Dame aus dem örtlichen Chor, die früher auch im Bereich Sprachwissenschaften gearbeitet hat, trifft sich einmal in der Woche mit mir zum Konversationskurs, schaut alles durch was ich schriftlich gemacht habe. Es macht richtig Spaß und hilft mir viel mehr als der schwedisch Konversationskurs mit ein paar Schwedisch Lernenden. Als Muttersprachlerin kann ich Ausdrücke und Wendungen von ihr übernehmen. Von mir sollte derzeit auch noch niemand schwedisch lernen wollen. Es gibt schon Teile die richtig sind, aber anderes ist auch deutsch oder englisch gedacht oder ich weiß das gesuchte gerade akut nicht und lass es einfach wissentlich weg.Ich habe zwei Pferd ist zwar falsch, aber der andere weiß schon was gemeint ist, wenn mir gerade der Plural wieder nicht einfällt.
  • Das Nummernsammeln geht weiter: Mit Hilfe der Personennummer und der ID-Karte habe ich von der Bank eine sog. Bank-ID bekommen. Mit Hilfe der Personennummer und der Bank-ID kann man sich online überall legitimieren. Und damit konnte ich nun meine E-SiM fürs Handy bekommen und habe eine schwedische und eine deutsche Telefonnummer in einem Handy. Meine Unternehmensnummern sind alle noch im Januar gekommen.
  • Ich war völlig überrascht wieviel Menschen mir welch tolle Weihnachtspakete geschickt haben. Wow. Danke Euch allen. Warum schreibe ich das im Januar? Nun ja Postlaufzeiten oder die Art des Geschenks führten dazu, dass ich dieses Jahr eine verlängerte Weihnachtszeit hatte.
  • Ich war zum ersten Mal in Schweden beim Friseur. Unerwartet war die Mitarbeiterin eine Deutsche, die auch erst seit kurzem hier lebt. Es fühlte sich sehr unangenehm an mit ihr deutsch zu sprechen und so alle anderen vom Gespräch auszuschließen. Sie hatte darum gebeten – und ja das radebrechen auf schwedisch wäre auch komisch gewesen. Nächstes Mal anderer Friseur.
  • Kaffee-Einladung bei einer netten älteren Dame. Das wird die Geschichte von der Geburtstagskarte und dem Papierschmetterling.
  • Feldenkrais intensiv. Selbststudium und Awareness Through Movement Stunden via zoom. Der endgültige Abschluss verzögert sich etwas.
  • Meine Wasserfilter sind erneuert. Seit Juni letzten Jahres bin ich im Austausch mit Handwerkern wegen der Erneuerung der Filter. Jetzt konnte alles umgesetzt werden und war wohl auch dringendst nötig. Es gibt jetzt überall warmes und kaltes Wasser und der Wasserdruck ist so hoch, das füllen des Wasserkessels ist gar nicht mehr meditativ.

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